12.08.2004
Gefahr minimiert, aber nicht gebannt
Bürgerinitiative Sondermüll sieht auch nach der angekündigten Schließung der Verbrennungsanlage in Schwabach noch Handlungsbedarf
SCHWABACH - Eigentlich könnten sie sich ja jetzt beruhigt zurücklehnen, die Beine hochlegen und in den Urlaub fahren. Das Werk scheint vollbracht. Die Sondermüllverbrennung in Schwabach wird geschlossen, die Sondermülldeponie derzeit zumindest von oben abgedichtet.
Und in der Tat wollen einige von der Schließung besonders Betroffene die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Sondermüll im Fernsehen ja schon beim ausgelassenen Straßentanz mit MdL Helga Schmitt-Bussinger gesehen haben. Abgesehen davon, dass beim Fernsehtermin die Landtagsabgeordnete gar nicht dabei war und die BI-Mitglieder eher auf Anweisung des Redakteurs in die Kamera gelächelt haben: Gerd Neudeck und Elfriede Uhlmann, den Vorsitzenden der BI, ist noch nicht nach Feiern zumute.
"Erstens können wir gut die Wut und den Zorn der GSB-Mitarbeiter nachvollziehen, die jetzt ihren Arbeisplatz verlieren", erklärt Neudeck. "Und zweitens geht von der Deponie natürlich noch auf Jahrhunderte eine gewisse Gefahr aus", ergänzt Uhlmann. "Das bleibt, wenn man so will, eine tickende Zeitbombe." Wird die BI, die, wie berichtet, vor einigen Wochen kurz vor der Auflösung stand, also weiterhin gebraucht? Neudeck: "Wir werden sehen, in welcher Organisationsform wir die weiteren Entwicklungen begleiten. Es kann weiterhin die Bürgerinitiative sein, es kann auch eine Abteilung des Bund Naturschutz sein.


Details in Erfahrung bringen

Von der halbstaatlichen GSB erwartet der BI-Vorsitzende möglichst schnell Details, wie die Deponienachsorge geregelt wird. Oben jetzt den Deckel drauzumachen und dann den Sondermüllberg sich selbst überlassen, das reicht nach Meinung des Chemielehrers nicht. Möglicherweise müssten auch die Seiten des Müllbergs abgedichtet werden.
Eigentlich war die Bürgerinitiative schon für vergangenen Montag in die GSB-Zentrale nach Baar-Ebenhausen bei Ingolstadt eingeladen. Aufsichtsratsvorsitzender Günter Höhlein wollte die Anlieger über die neuesten Entwicklungen informieren. Der Termin wurde dann jedoch kurzfristig verschoben. Einen neuen gibt es noch nicht.
Die Hoffnung des Rednitzhembacher Bürgermeisters und Aufsichtsratsmitglieds Jürgen Spahl, die Anlage abzubauen und ins Ausland zu verkaufen teilt Neudeck nicht. "Die Anlage ist im Betrieb dermaßen teuer, dass sie niemals wirtschaftlich betrieben werden kann. Das tut sich kein anderer Entsorger an."
Nach Meinung des BI-Vorsitzenden wird es auch nichts mit einer schnellen Umwidmung des riesigen GSB-Geländes in ein lukratives und Arbeitsplätze bringendes Gewerbegebiet. "Viele Flächen sind doch hochgradig kontaminiert, die müssen erst mit Millionenbeträgen saniert werden."
Keine guten Aussichten also für die bis zu 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GSB-Filiale Schwabach, die demnächst ihren Arbeitsplatz verlieren werden, auf einen neuen Job. Das "miserable Krisenmanagement" ärgert auch die Mitglieder der Bürgerinitiative. "Wir haben ja immer einen langsamen, schrittweisen Ausstieg aus der Verbrennung gefordert", sagt Neudeck, dann wären soziale Härten viel besser abgefedert worden. "Schließlich habe die Leute dort über Jahrzehnte ihr Leben riskiert."
Statt eines Sterbens auf Raten gibt es jetzt den harten Schnitt. Neudeck: "Mir kommt das vor wie beim achtjährigen Gymnasium. Da kommt jetzt auch alles hopplahopp."
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